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Pressemitteilung in den Westfälischen Nachrichten am Freitag, den 19.10.2001

 

MÜNSTER
Freitag, 19. Oktober 2001
Ein Mensch an
der Halskette

Biologe fertigt Schmuck mit Erbgut

Von Karin Völker

Münster. Diamanten leuchten anders, Goldstücke auch. Der Kern des Schmuckstücks, das Dr. Harutyn Melkonyan in seiner Wohnung an der Warendorfer Straße fertigt, erinnert an ein trübes Wölkchen. Das undefinierbare Etwas, das in einem klitzekleinen, mit einer Silberkappe versiegelten Glasröhrchen schwimmt, hat es aber in sich. Was da in einigen Tropfen Alkohol schwebt, "ist ein ganzer Mensch", behauptet der junge Molekularbiologe, der beruflich im Institut für experimentelle Dermatologie der Universitäts-Hautklinik forscht.
Nach Feierabend befasst er sich eher mit der dekorativen Seite der menschlichen Erbinformation, der DNA. Melkonyan bastelt Schmuck aus Genen. Mit Hilfe der Gerätschaften in seiner zum Heimlabor umfunktionierten Vorratskammer ist es beispielsweise möglich, die schönen Augen, die tollen Beine und die melodiöse Stimme der Angebeteten gleichzeitig immer bei sich zu tragen. An einem Kettchen am Hals, am Schlüsselanhänger oder als Ohrring. "Das andere Ge(n)schenk", wirbt Melkonyan wortspielerisch auf seiner Homepage, über die er das Zier-Erbgut unter dem inzwischen geschützten Namen "DNA4U" vertreibt.

Die DNA als Halsanhänger und ihr Erfinder Harutyn Melkonyan.
Foto: Matthias Ahlke

Wer künftig seine DNA in wahlweise rosa, blau, grün oder gelb eingefärbter Lösung schwimmen sehen möchte, spuckt mehrmals gründlich in ein Plastikröhrchen, das Melkonyan seinen Kunden nach der Bestellung zuschickt. In der Spucke liegen ein paar Millionen Zellen aus der Mundschleimhaut. Aus denen synthetisiert der Wissenschaftler die langen DNA-Ketten, die - von nah betrachtet - aussehen wie ein Knäuel weißlicher Fäden. "Die Menge macht's", erklärt der von armenischen Eltern abstammende gebürtige Deutsche, warum es möglich ist, die mit bloßem Auge niemals erkennbaren, nur ein Nanometer dünnen DNA-Stränge sichtbar zu machen.
Wer mehr mit dem Schmuck im Sinn hat und ins Röhrchen spuckt, um Material für eine geklonte Kopie zurückzulegen, wird keinen Erfolg haben, meint Melkonyan. "Noch nicht", schränkt er ein, denn vor wenigen Jahren habe man noch vieles, was heute realisiert werde, schlicht für unmöglich gehalten. Sorge, dass irgendwann aus dem Miniwölkchen womöglich ein anderer entsteigen könnte, muss kein Spucke-Spender haben. Der Biologe hat seine Röhrchen penibel beschriftet: "Korrekte Arbeit ist mein Geschäftsprinzip."

Hier gibt es den eingescannten Original-Bericht.



 

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