Münster. Diamanten leuchten anders, Goldstücke
auch. Der Kern des Schmuckstücks, das Dr. Harutyn Melkonyan in
seiner Wohnung an der Warendorfer Straße fertigt, erinnert an
ein trübes Wölkchen. Das undefinierbare Etwas, das in einem
klitzekleinen, mit einer Silberkappe versiegelten Glasröhrchen
schwimmt, hat es aber in sich. Was da in einigen Tropfen Alkohol schwebt,
"ist ein ganzer Mensch", behauptet der junge Molekularbiologe,
der beruflich im Institut für experimentelle Dermatologie der Universitäts-Hautklinik
forscht. Die DNA als Halsanhänger und ihr Erfinder Harutyn Melkonyan. Wer künftig seine DNA in wahlweise rosa, blau, grün
oder gelb eingefärbter Lösung schwimmen sehen möchte, spuckt
mehrmals gründlich in ein Plastikröhrchen, das Melkonyan seinen
Kunden nach der Bestellung zuschickt. In der Spucke liegen ein paar Millionen
Zellen aus der Mundschleimhaut. Aus denen synthetisiert der Wissenschaftler
die langen DNA-Ketten, die - von nah betrachtet - aussehen wie ein Knäuel
weißlicher Fäden. "Die Menge macht's", erklärt
der von armenischen Eltern abstammende gebürtige Deutsche, warum
es möglich ist, die mit bloßem Auge niemals erkennbaren, nur
ein Nanometer dünnen DNA-Stränge sichtbar zu machen.
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MÜNSTER
der Halskette
Biologe fertigt Schmuck mit Erbgut
Von Karin Völker
Nach Feierabend befasst er sich eher mit der dekorativen Seite der menschlichen
Erbinformation, der DNA. Melkonyan bastelt Schmuck aus Genen. Mit Hilfe
der Gerätschaften in seiner zum Heimlabor umfunktionierten Vorratskammer
ist es beispielsweise möglich, die schönen Augen, die tollen
Beine und die melodiöse Stimme der Angebeteten gleichzeitig immer
bei sich zu tragen. An einem Kettchen am Hals, am Schlüsselanhänger
oder als Ohrring. "Das andere Ge(n)schenk", wirbt Melkonyan
wortspielerisch auf seiner Homepage, über die er das Zier-Erbgut
unter dem inzwischen geschützten Namen "DNA4U" vertreibt.

Foto: Matthias Ahlke
Wer mehr mit dem Schmuck im Sinn hat und ins Röhrchen spuckt, um
Material für eine geklonte Kopie zurückzulegen, wird keinen
Erfolg haben, meint Melkonyan. "Noch nicht", schränkt er
ein, denn vor wenigen Jahren habe man noch vieles, was heute realisiert
werde, schlicht für unmöglich gehalten. Sorge, dass irgendwann
aus dem Miniwölkchen womöglich ein anderer entsteigen könnte,
muss kein Spucke-Spender haben. Der Biologe hat seine Röhrchen penibel
beschriftet: "Korrekte Arbeit ist mein Geschäftsprinzip."
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