Leuchtende Gene unter den Weihnachtsbaum
12. Nov 11:39

Gen-Schmuck: Die Farbe kann man sich aussuchen, die DNA nicht.
Gen-Schmuck: Die Farbe kann man sich aussuchen, die DNA nicht.
Montage: NZ
Mein Gen, dein Gen. Ein Münsteraner Molekularbiologe stellt DNA-Schmuck her. Die Kombination aus Silber, Alkohol und Erbmaterial leuchtet unter UV-Licht.

Von Richard Friebe

Im Münsterland werden Gene verpackt. Für den Molekularbiologen Harutyun Melkonyan ist diese Geschäftsidee nur eine logische Fortführung alter Traditionen:

 

Von der Locke zum DNA-Faden

«Früher hat man eine Schatulle oder eine Haarlocke des oder der Liebsten bei sich getragen,» sagt er, «warum sollte man dann heute nicht mit der Zeit gehen und ein Röhrchen mit dessen Erbmaterial dabei haben?»

Melkonyan füllt DNA, die er aus Zellen der Mundschleimhaut gewinnt, in kleine Anhänger aus Glas. Zwei Jahre hat er an dem Verfahren getüftelt. Unter UV-Licht fluoreszieren die DNA-Fäden, die in einer Alkohollösung in ihrem Glasröhrchen schwimmen. Das Aha-Erlebnis beim ersten Isolieren von DNA während seines Studiums hatte ihn auf die Idee gebracht.

 

Gene «für Dich»

«In der Öffentlichkeit haben DNA und Gene ja eher einen negativen Beigeschmack», sagt Melkonyan im Gespräch mit der Netzeitung, «aber die Resonanz bisher ist unglaublich.» Im September ging Melkonyan mit seiner Website «DNA4U» («DNA für Dich») ins Internet und wird mittlerweile schon von Vertretern großer Schmuck-Firmen umworben.

Einen Goldschmiede-Kurs hat Melkonyan besucht, inzwischen lässt er die Silberarbeiten allerdings von einem Fachmann anfertigen.

 

 

Genetischer Neben-Job

Ganz auf den Gen-Schmuck konzentrieren will sich Melkonyan - zumindest noch - nicht. Es soll zunächst ein Feierabend-Job bleiben: «Ich sehe das als Wissenschaftler erst mal nüchtern», sagt der promovierte Molekularbiologe, «wenn ein Experiment geklappt hat, beweist das noch gar nichts.» Er will weiter an der Münsteraner Uni forschen: an Genen, die bei Entzündungsreaktionen in der Haut eine Rolle spielen.

Auf das eine erfolgreiche Experiment mit den eher grobschlächtig wirkenden Röhrchen wird jetzt allerdings das nächste mit verfeinerter Goldschmiedearbeit folgen. «Filigraner und exklusiver» soll das Nachfolgemodell aussehen. Ein Patent auf das Verfahren gibt es nicht. «Zu aufwendig und zu teuer», sagt der Erfinder. Und große Angst vor Nachahmern hat er nicht: «Ich habe da lange dran gearbeitet – so leicht nachzumachen ist das keineswegs.»