Münster (dpa/lnw) - Statt eines Anhängers mit der Locke oder dem Milchzahn eines geliebten Menschen können Freunde dieser persönlichen Präsente jetzt eine weitere Variante wählen: konservierte DNA-Fäden in Glasanhängern. In Münster «verpackt» der Molekularbiologe Harutyun Melkonyan das sichtbar gemachte Erbgut seiner Kunden in kleine Glasröhrchen. In ihnen schwimmen die milchigweißen Flocken je nach Wunsch wahlweise im blau, rot, grün oder schwarz gefärbten Alkohol.

«Meine Produkte sind nur die moderne Fortsetzung dieser alten Tradition», sagt der 37-Jährige. Die Idee zu diesen Schmuckstücken habe er bereits während seines Studiums gehabt. Schon damals habe ihn der Anblick der DNA-Fäden von Pilzen fasziniert. Wenig später habe er dann aus seinem Speichel das eigene Erbgut extrahiert, in Alkohol getaucht und dann in einer kleinen Flasche um den Hals getragen. Kommilitonen seien von dieser ungewöhnlichen Idee begeistert gewesen und hätten ihm geraten, die Idee professionell umzusetzen.

«Ich habe eigentlich gar nichts Neues erfunden, denn die Technik existiert schon seit vielen Jahren», betont Melkonyan. Sein Prinzip ist einfach: Der Kunde spuckt zunächst in ein Röhrchen, das bereits eine Flüssigkeit beinhaltet, die das Absterben der mehreren Millionen Zellen verhindert. In seinem Minilabor in der Dachkammer bricht Melkonyan dann die zahlreichen Zellkerne aus der Mundschleimhaut auf, extrahiert deren DNA-Fäden und entzieht den etwa einen Millionstel Millimeter dicken Doppelsträngen das Wasser. Innerhalb weniger Augenblicke bildet sich im Reagenzglas eine kleine weiße Wolke.

Die letzten Schritte der Produktion bestehen dann aus purer Handarbeit. Das acht Millimeter dicke Röhrchen wird mit einer Kautschukdichtung verschlossen und anschließend ein Silberverschluss darauf montiert. «Für die Metallteile meines Prototyps habe ich extra einen Goldschmiedekurs besucht», berichtet der passionierte Bastler. Dort habe er aber einen Großlieferanten von vorgefertigten Verschlüssen kennen gelernt.

Trotz der industriellen Vorfertigung haben bisher nur wenige der 33 bis 44 Euro (64 bis 86 Mark) teuren Exemplare Melkonyans Werkstatt verlassen. «13 Stück habe ich seit dem Start im September verkauft», rechnet er vor. In seinem Auftragsbuch stehen jedoch derzeit etwa 75 Namen von Kunden, die Anhänger wünschen. Diese Menge werde einen großen Teil seiner Freizeit verschlingen, fürchtet der Universitäts- Angestellte. Die relativ große Nachfrage hält den Hobbyforscher jedoch nicht von der Entwicklung eines weiteren Prototyps ab. In diesem Fall soll es ein Schlüsselanhänger aus Edelstahl werden.

(Internet: DNA-Geschenkidee: http://www.dna4u.de)

Hier eine Auswahl von Zeitungen, die diesen Bericht gedruckt haben.